Markus Freiherr von Schnurbein, Ehrenbürger

geb. 23. August 1909 in Hemerten
gestorben 7. Februar 1983 in Hemerten
26 Jahre Mitglied des Gemeinderates
16 Jahre 2. Bürgermeister
Träger des Bundesverdienstkreuzes


Die Donauwörther Zeitung (Autor: Hans Habermann) berichtete am 11. Februar 1983 aus Anlass des Todes:

Schwabens Landwirte trauern um Markus von Schnurbein
Große Verdienste auch um seine Heimatgemeinde

Einer der profiliertesten Vertreter der Landwirtschaft, Markus Freiherr von Schnurbein, ist im Alter von 73 Jahren einer schleichenden Krankheit erlegen. Der Gutsbesitzer von Hemerten diente auch seiner Gemeinde Münster, deren Rat er 26 Jahre angehörte und in der er 16 lange Jahre als Zweiter Bürgermeister wirkte.

Der Baron hat in der Jugend sein Gesichtsfeld geweitet, ehe er das Gut Hemerten übernahm und sich für seine schwäbischen Bauern engagierte. Auf dem Herrlehof erlernte er die praktische Landwirtschaft, bildete sich in Ostpreußen und Sachsen weiter, besuchte die Fachakademie Potsdam, wo er sein Examen ablegte. Dann trieb es ihn in die Fremde. Erst leitete er eine Zuckerfarm in Peru, dann eine 100 000 Hektar große Anden-Hazienda. Heimgekehrt folgten Krieg und Gefangenschaft.

Es war für Markus von Schnurbein eine Selbstverständlichkeit, sich in den schweren Nachkriegsjahren für den Berufsstand zu engagieren. Im Jahre 1953 wurde er Vorstand der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Schwaben und 1957 auch Vorstandsvorsitzender der neu eingeführten Landwirtschaftlichen Alterskasse im Regierungsbezirk. Er stellte seine Arbeitskraft den Gremien der Ortskrankenkasse Donauwörth zur Verfügung, war in zahlreichen Fachgremien tätig, so auch im Rentenausschuss der Berufsgenossenschaft, deren Stellvertretender Vorstandsvorsitzender er zuletzt war. Die Bauern beriefen ihn in den Bundesverband ihrer Berufsgenossenschaft, in den Gesamtverband der Landwirtschaftlichen Alterskassen und in den Berufsverband der Landwirtschaftlichen Krankenkassen. Das alles geschah ehrenamtlich.

Schon 1946 wurde er Gemeinderat in Münster, ein Dutzend Jahre lang trug er als Zweiter Bürgermeister besondere Verantwortung um seine Heimatgemeinde. Sein Gut führte er mit Umsicht und bewältigte den großen Umbruch in der Agrikultur beispielhaft mit sicherer hand.

Für sein vielseitiges Wirken wurde ihm vom Bundespräsidenten vor knapp sieben Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als Landrat Dr. Popp den Orden überreichte, klassifizierte der Freiherr die Auszeichnungen in "verdiente, erdiente, erdienerte und erdinierte". Er selbst wollte von Verdienst nichts wissen, denn was er getan habe, sei für ihn selbstverständlich gewesen. Weil er mit seiner Meinung nie hinter dem Berg hielt, glaubte er, das Kreuz "erdient" zu haben.

Schwabens Landwirte sind um eine ihrer führenden Persönlichkeiten ärmer.

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Die Donauwörther Zeitung (Autor: Adalbert Riehl) berichtete am 17. Februar 1983 über die Beerdigung:

Eine überaus große Trauergemeinde geleitete den 73-jährig verstorbenen Markus Freiherr von Schnurbein zu Grabe. Das Wirken des Barons blieb zeit seines Lebens nicht beschränkt auf seinen Gutshof Hemerten bei Münster; er stellte seine reiche Lebenserfahrung mannigfaltig in den Dienst der Gesellschaft. Noch bis zu seinem Tod nach einer schleichenden Krankheit versah er mehrere Ehrenämter, so das des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger Schwabens. Dabei verlor er nie die Ortsgemeinschaft Münster aus den Augen, in der er ebenso engagiert wirkte wie in seinen überörtlichen Funktionen.

Pfarrer Dr. Ebermut Rudolph, Rain, zeichnete in kurzen Worten den Lebensweg des Verstorbenen auf, der in Hemerten geboren wurde und hier im Familienfriedhof seine letzte Ruhestätte findet. Früh führte Schnurbeins Weg in die Fremde: In Stuttgart besuchte er das Gymnasium und schloss es mit dem Abitur ab. Eine Lehre auf dem Herrlehof bei Ellgau, die Tätigkeit in Ostpreußen und der Besuch einer Fachschule in Potsdam bildeten ihn gründlich als Landwirt aus. Eineinhalb Jahre arbeitete er als Betriebsleiter in Peru, um mit dem verdienten Geld eine Weltreise zu unternehmen. Dabei, so Dr. Rudolph, lernte er die Probleme anderer Völker kennen. Zuhause angekommen, traf ihn wie die ganze Generation, die Einberufung zum Wehr- und Kriegsdienst, der für den Oberleutnant erst 1949 mit der Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft endete. Erst jetzt, 40 Jahre alt, übernahm er den elterlichen Gutshof.

Das öffentliche Wirken begann 1952 mit seiner Wahl in Gemeinderat und zum Zweiten Bürgermeister in der Heimatgemeinde Münster. Ab 1953 war er ununterbrochen im Vorstand der landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger Schwaben tätig, lange Zeit davon als alternierender Vorstandsvorsitzender. Für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten erhielt er drei bedeutende Auszeichnungen: Sozialminister Pirkl dankte mit einer Ehrenurkunde für seine erfolgreiche Arbeit im Dienste der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, die Gemeinde Münster ernannte ihn 1974 zum Ehrenbürger und 1976 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Auf seinem letzten Weg vom Gutshof zum Familienfriedhof begleiteten den Toten Vertreter des öffentlichen Lebens, sechs Vereinsabordnungen aus Münster und Ettelried, die Belegschaft und die große Zahl der Freunde und Bekannten. Am offenen Grab dankten Vertretungen der Landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger, des Landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes, der evangelischen Kirchengemeinschaft, des Rotary-Clubs, der Belegschaft von Gut Hemerten und der Gemeinde Münster dem Toten für sein ehrenamtliches Wirken in ihren Vereinigungen. Sie alle stellten das Pflichtbewusstsein und die Aufgeschlossenheit des Verstorbenen für die Probleme der Mitmenschen heraus.

Dank statteten dem Toten auch die örtlichen Vereine ab, so der Sportverein Münster, die Jägervereinigung, die Krieger- und Soldatenkameradschaft Münster, die Freiwillige Feuerwehr Münster und die Landjugend Münster. Mit Kranzspenden und Beleidsbezeigungen an die Witwe, Jutta Freifrau von Schnurbein, gaben die Vereinigungen ihrer Trauer um den Verstorbenen Ausdruck.

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Ergänzung bezüglich Jutta Freifrau von Schnurbein:
Auch die Frau des Münsterer Ehrenbürgers war sehr stark ehrenamtlich tätig. Sie wurde geboren am 18. Oktober 1915 in Schwarzenberg/Sachsen, heiratete 1951 in zweiter Ehe (der erste Gatte fiel im Zweiten Weltkrieg) Markus Freiherr von Schnurbein und starb am 17. Oktober 2008 in Hemerten.
Viele Jahrzehnte war sie in der Evang.-lutherischen Gemeinde Rain tätig, unter anderem als Kirchenvorstandsmitglied von 1970 bis 1994 und zusätzlich von 1983 bis 1994 als Vertrauensfrau. Seit 1973 war sie Lektorin. Sie nahm an der Ausbildung zur Prädikantin teil, leitete den Frauenkreis und war aktive Sängerin im Kirchenchor. Bis 1988 war sie Vizepräsidentin der Donauwörther Dekanatssynode, seit 1975 arbeitete sie in der Augsburger Telefonseelsorge aktiv mit und wirkte kirchlich-ehrenamtlich auch in den Justizvollzugsanstalt Niederschönenfeld und Kaisheim.


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